Vorspiel – Rezension zu „Die Saat“ – Sven Svenson

By | 9. Juli 2018

Vorspiel – Rezension zu „Die Saat“ – Sven Svenson„Und dabei war das erst der Anfang….“ (Pos. 749)

Zum Inhalt:

Wenn die Akteure auf der Bühne dieser Geschichte eines verbindet, so der Fakt, dass sie nicht die geringste Gemeinsamkeit haben – zumindest auf den ersten Blick. Es sind verbissene Wissenschaftler, ein etwas abgehobener Hacker, ein zielstrebiger Soziopath, eine Prostituierte, ein Hypochonder, ja sogar ein ganz durchschnittlicher Nerd, der sich für Computerspiele mehr begeistern kann, als für die sogenannte „reale Welt“.

Um all diese Menschen kreisen wiederum jene, die es zuhauf, quasi als Beigabe des „richtigen“ Lebens, gibt, in dem Harz IV, Wohnungsverlust oder einfach die wirtschaftliche Herausforderung, den Monat zu meistern an der Tagesordnung stehen. Der ganz alltägliche Trott eben. Und doch ist da dieser Splitter unter dem Fingernagel, der kleine Riss in der Realität, der nicht nur sprichwörtliche Stich eines unscheinbaren Insekts, lästig, sich immer wieder in der Vordergrund drängend, stets die eigene Präsenz wieder ins Gedächtnis rufend, trotzdem ohne befriedigendes Ergebnis.

Die Schilderung all dieser augenscheinlich unzusammenhängenden Fäden, das Springen zwischen Lebenswirklichkeiten, macht die Geschichte in ihrem ersten Wurf zu allem Anfang verwirrend, anschließend  gewöhnungsbedürftig, später herausfordernd und zu guter Letzt fesselnd. Wohin bringt Phillip das begonnene Spiel, haben die ahnunslosen Opfer Vincents‘ eine Chance, was zum Henker haben Enzo und Franco in jener Nacht am Teleskop entdeckt…

Fazit:

Die Geschichte läuft sich auf den ersten Seiten recht ruhig – beinahe  zu ruhig – an. Doch nicht zuletzt ist es diese Ruhe, die jene Grundspannung aufbaut, welche das Weglegen der Lektüre schwierig macht. Immer wieder gelingt es Sven Svenson den Leser erneut in seinen Bann zu ziehen und die Typologie der Charaktere zu verfeinern, sie zugänglicher zu machen, greifbarer, mit zunehmender Tiefe auszustatten. Und dies bis man, just ehe man sich’s versieht, am Ende des Textes anlangt, mit einem Cliffhanger, der es in sich hat und mehr als nur Lust auf die Fortsetzung macht.

Treffend sind Akteure wie v.a. Phillip herausgearbeitet, primär beobachtend, nicht wertend, jedoch auch nicht beschönigend. Nicht selten kommt es dabei vor, dass man den ein oder anderen Archetypen in seinem eigenen Umfeld realiter wiederzuerkennen glaubt.

Sven Svensons Bücher resp. Geschichten zeichnen sich durch eine ihm eigene Art und Weise des Herangehens an Themen aus, die von einem Gespür für Menschliches, für Zusammenhänge und strukturiertes Erfassen und Wiedergeben ebendieser zeugen. Auch in diesem Buch bleibt er im positivsten Sinne in seiner schriftstellerischen Tradition verwurzelt, ohne jedoch auf der Stelle zu treten. So ist sowohl in Handlungsverlauf, -konstruktion, als auch in Wortgebung eine Entwicklung anders gesagt ein Ausprobieren von Neuem spürbar.

Zum atmosphärischen Titelbild kann ich, bis auf die Tatsache, dass es mir künstlerisch gefällt, nicht mehr sagen. Es bleibt zu hoffen, dass es in Anlehnung an den Text gehalten ist, beinhaltet es doch beinahe ein Versprechen, dass sich da noch etwas entwickeln wird…

Buchdaten:

  • Titel: „Die Saat“
  • Autor: Sven Svenson
  • Ausgabe: Kindle Edition
  • Verlag: Edition LASENECA (2018)
  • Sprache: Deutsch

(1) Alle Angaben, sowohl Seiten-/Positionsnummern, wie auch technische Details, beziehen sich auf die Kindle-Ausgabe des Rezensionsexemplares

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