Wandel – Rezension zu „Der Schnee von morgen“ – Hrsg.: Peggy Weber-Gehrke

By | 20. Januar 2018

"Schnee von Morgen" - Peggy - Weber-Gehrke„Wenn man nichts zu essen hat, dann ist Nahrung die Welt. Erst wenn man satt ist, kann man arrogant werden.“ (Pos. 269)

Zum Inhalt:

Der Untertitel – „2017 Collection of Climate Fiction Stories“ – zur neuesten Anthologie aus dem Verlag für Moderne Phantastik Gehrke umreißt bereits thematisch jenes Gebiet, aus dem sich die Geschichten der unterschiedlichsten AutorInnen ihrer Storyline bedienen. Hierbei entstand die Zusammenstellung aus den besten Kurzgeschichten zum Thema Klimawandel des Wettbewerbs von TOR ONLINE.

Die Bühnen, auf denen gespielt wird reichen von Wasserwelten á la „Waterworld“ über wüstenhafte Szernarien, die frappant an das schon legendäre „Arakis“ erinnern, bis zu einer beinahe normalen in die Zukunft extrapolierten Jetztzeit, deren für uns selbstverständliche Lebensräume sich mehr und mehr dem Menschen verweigern. Die große thematische Klammer, welche die Erzählungen umspannt, ist jene eines – nicht des – Klimawandels. „Eines“ deswegen, weil die ErzählerInnen derart unterschiedliche, deswegen aber nicht weniger wahrscheinliche oder denkbare, geografische, soziale, wirtschaftliche und ideologische Facetten einer „neuen“ Welt entwerfen, dass beim Leser nie jener unterschwellige Widerwillen aufzukommen vermag, den die ewig gleichen, sermonartigen, reißerischen Beschwörungen dröger Medienberichterstattung zum Thema das Wandels unseres Klimas beinahe schon reflexartig auslösen.

Bei 23 Texten liegt es in der Natur der Sache, dass es eingängigere, ins sich stimmigere und auch jene gibt, die sich besonders im Gedächtnis festsetzen und im positiven Sinne weiter irritieren, zum Schlussfolgern, Diskutieren und Abwägen einladen – ja beinahe zwingen. Der Faktor „Mensch“ ist es, der letzten Endes stets das Zünglein an der Waage schicksalshafter Entwicklungen darstellt. Wie eben dieser Mensch als soziales Wesen mit neuen Lebensräumen und Gesellschaftsformen umzugehen lernt, darauf gehen Erzählungen wie z.B. „Kälte voraus“, „Vegetativ“ oder „Noahs Bienen“ ein. Selbst die Entwicklung von Sprache über die Zeit und die soziologische Evolution hinweg wird als Stilmittel nicht außen vor gelassen, wie „Kohlenklauber und Tiertöter“ bravourös unter Beweis stellt.

Enthaltene Texte:

  • Tod einer Göttin – Lisa-Marie Reuter
  • Die Rückkehr der Giganten – Chris Schlicht
  • Noahs Bienen – Sabine Frambach
  • Wassergrab – Jasmin Aurel
  • Die Photosynthetikerin – Andrea Bannert
  • Die Schiffsleute – Ulf Fildebrandt
  • Der Notnagel – Regine Bott
  • Vegetativ Anja – Bagus
  • Exodus terram – Lars Hannig
  • Der Kälte voraus – Anne Neuschwander
  • Schlangenwürmer – Wolf Welling
  • Wüstensonne – Susanne Richter
  • Es war kein Schmetterling – Bernhard Kempen
  • Tränen im Staub – Johann Seidl
  • Tipping Point – Tristan Mahlow
  • Der menschliche Defekt – Sandra Florean
  • Kohlenklauber und Tiertöter – Friedhelm Schneidewind
  • Der Hafen meines Vaters – R.West
  • Solange die Computer noch am Rechnen sind – Maike Braun
  • Düstere Aussichten – Sven Draht
  • Schwarze Mauer – Christian Schmid
  • Lange Tage, lange Nächte – Jens Berke
  • Rain und Shine – Stefan Lammers

Fazit:

Für all jene, die sich mit Denkszenarien einer sich klimatisch – und auch sozial – wandelnden Erde als Heimat des Menschen auseinandersetzen möchten, die keine geistigen Berührungsängste mit (nicht nur) dystopischen Szenarien haben und die den Mut aufbringen mehrere Entwicklungsvarianten als mögliche, sowie durchaus nicht unwahrscheinliche Wege, nebeneinander stehen zu lassen ist die Anthologie mehr als nur empfehlenswert.

Buchdaten:

  • Titel: „Schnee von Morgen“
  • Hrsg.: Peggy Weber-Gehrke
  • Ausgabe: Kindle Edition (356 Seiten Print)
  • Verlag: Verlag für Moderne Phantastik Gehrke; Auflage: 1 (19. Januar 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B077TR63HC
  • Dateigröße: 535 kB

(1) Alle Angaben, sowohl Seiten-/Positionsnummern, wie auch technische Details, beziehen sich auf die eBook-Ausgabe des Rezensionsexemplares

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