Wandle dich – Rezension zu „BIOS“ von Daniel Suarez

By | 14. Juli 2018

Wandle dich – Rezension zu "BIOS" von Daniel Suarez„Veränderung kommt. Unerbittlich. Meist erfolgt sie allmählich, manchmal aber ist sie auch wie ein Erdbeben.“ (S.21)“

Zum Inhalt:

Dem organisierten Verbrechen den Gelderwerb so schwer wie möglich zu machen, ihm gar einen Schritt voraus zu sein, ist eine Sisyphos-Arbeit. Davon kann Kennet Durand auch im Jahr 2045 einen Liedband singen. Er leitet bei Interpol eine Gruppe, welche sich die Bekämpfung der grasierenden Genkriminalität auf ihre Fahnen geschrieben hat.

Auf der anderen Seite steht ein Kartell, angeführt von Marcus Demang Wyckes, einem vorausschauend planenden, sich im wahrsten Sinne des Wortes immer wieder neu erfindenden, vor allem jedoch skrupellosen Unterweltgeschäftsmann, der versucht, seine Investitionen in menschliche Genveränderungen zu schützen. Man könnte ihn durchweg einen Visionär nennen, dessen politisch-wirtschaftlichen Überlegungen resp. Argumente, wenn auch moralisch durchweg verwerflich, so doch von bestechend zwingender Logik sind.

Wyckes gelingt es Kennet Durand auf perfide Art und Weise zu diskreditieren, indem er dessen Aussehen gentechnisch verändert. Dies nicht auf beliebige Art, sondern in das Aussehen des weltweit meistgesuchten Verbechers: Marcus Wyckes. (Spätestens hier errinnert sich der ein oder andere an den Film „Face off“.)

Die anschließende Handlung ist in bester Thriller-Manier gekennzeichnet durch den Versuch Durands sein genetisches Ich wiederzuerlangen, gegen den Widerstand offizieller Stellen – schließlich fahndet so gut wie jede Exekutive nach ihm – und den Befehl Wyckes, ihn – vorzugsweise tot – den Behörden in die Hände zu spielen, um selbst aus der Schusslinie zu kommen…

Fazit:

Die Bücher von Daniel Suarez, welche ich bisher lesen konnte, zeichnen sich vor allem durch eine profunde Recherche zum Hauptthema der Geschichte aus. Im Großen und Ganzen kann man dies auch von „BIOS“ mit Fug und Recht behaupten, wobei einige Prämissen die bisherigen Genforschungen und v.a. deren Machbarkeitsgrenzen etwas sehr ausreizen. Aber genau darin liegt auch wieder der Reiz der Erzählung, primär aber in der doch recht düsteren Grundaussage. Frank Schirmacher titulierte Daniel Suarez nicht umsonst als den „Jules Verne des digitalen Zeitalters.“1) Immerhin landete der Mensch ein paar Jährchen nach Vernes „Reise um den Mond“ ja doch auf dem Erdtrabanten, wenn auch mit gänzlich anderer Technologie – aber die Kernaussage bewahrheitete sich.

Dass sich die Kernaussagen von Suarez‘ Text bewahrheiten könnten, daran besteht kaum Zweifel. Es läge am Menschen – wer auch immer das sein möge – dies tunlichst zu verhindern. Jedoch schreibt Suarez selbst: „Moral lässt sich nicht gesetzlich verordnen.“ (S.371)

Daniel Suarez gelingt es erneut eine atmosphärisch dichte Story mit stimmigem Handlungsstrang zu kreieren. Nur manchmal wird der Spannungsbogen von etwas ausufernden Tropenwaldbeschreibungen und hie und da auch etwas recht seichten Dialogen durchbrochen. Summa summarum jedoch ein fesselndes Buch, durchwegs zu empfehlen und der Bezeichnung Thriller würdig. Der – aus meiner Sicht – einzige wirkliche Wermutstropfen ist das etwas Hollywood-lastige Finale… doch wer weiß, vielleicht ist es ja auch der Plot für einen Film?! An dieser Stelle habe ich ein John-Travolta-mässiges Déjà-vu 🙂 .

Zum Buch:

Für ein Paperback ist der Band gut verarbeitet. Die Seiten- / Buchblockverleimung ist akzeptabel, der Seitenbedruckstoff angenehm fest und die Typografie dem flüssigen Lesen entsprechend gestaltet. Gesetzt wurde der Text aus der Dorian, einer ansprechenden Fließtextschrift. Mit etwas Fantasie und dem Titel der englischen Originalausgabe („Change Agent“) im Kopf, lässt sich auch der Covergestaltung eine gewisse Ästhetik und Textrelevanz abgewinnen.

Buchdaten:

  • Titel: „BIOS“
  • Autor: Daniel Suraez
  • Umfang: 542 Seiten
  • Verlag: rororo-Verlag; Auflage: 1 (Dez. 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzerin: Cornelia Holfelder-von der Tann
  • ISBN-13: 978-3-499-29133-3
  • Größe: 19,7 x 13,2 x 4,5 cm

1)  Quelle: https://www.rowohlt.de/news/das-soll-unsere-zukunft-sein.html
2)  Weiterführendes: https://de.wikipedia.org/wiki/Biopatent

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