Wechselvoll – Rezension zu „Ödland – Die Fabrik am Fluss“ – Christoph Zachariae

By | 3. März 2018

Wechselvoll - Rezension zu „Ödland – Die Fabrik am Fluss“ – Christoph Zachariae„Belastetes Wasser macht Menschen krank, Hoffnungslosigkeit kann sie zerstören.“ (S.313)

Zum Inhalt:

Der Spruch „Es ist nicht alles Gold was glänzt“ dürfte Mega nicht zwingend geläufig sein, doch die Erfahrung, dass jenes Paradies, das viele hinter den Verschlägen der Enklave der Händler im Salzbergwerk vermuten, mehr auf Schein als Sein basiert, muss sie auf die sprichwörtlich harte Tour lernen. Vormals helfende werden zu fixierenden Händen. Lange gehütete Geheimnisse der verschworenen Gemeinschaft entpuppen sich als wahres Sprengpotential – in mehrfacher Hinsicht. Und Mega steht dazwischen. Zwischen den Stühlen, zwischen Jan und Mark, zwischen der moralischen Verpflichtung gegenüber den Bewohnern des Kellers, in deren Auftrag sie unterwegs ist, und einer nebulösen Vision ihrer Herkunft, deren Klärung ihr unter den Fingernägeln brennt.

Hagen, den sie erneut trifft, scheint schicksalshafter mit ihrem Lebensweg verbunden zu sein, als sie es ursprünglich vermutete. Hat seine nervtötende Wortkargheit, sein neurotisches Ränkeschmieden, seine paranoide Absicherung nach allen Seiten – auch innerhalb der alles andere als homogenen Söldnertruppe – doch einen weit tieferen Grund, als nur den des blanken Überlebens? Die Dämonen, welche Hagen durch das Ödland auf ein scheinbar nur ihm bekanntes Ziel zutreiben, werden wider Willen mehr und mehr auch jene Megas?

Und da wäre noch Nathan. Wie passt er in das Mosaik bzw. ist er überhaupt noch an der Verfolgung / Begleitung Megas interessiert, sofern ihm das Ödland nicht ohnehin bereits das Leben gekostet hatte. Immer wieder fällt letzthin der Name einer Stadt – sofern das lebensverachtende Ödland einen derartigen Anachronismus menschlicher Anhäufung noch zulassen würde – : Viktoriastadt! Für Mega ein Ort aus bruchstückhaften Errinerungsfetzen, aus Träumen, ein Ort der Antworten. Für andere ein Ort der beinahe sagenumwobenen Furcht, im historischen Nebel des (lebens-)notwendigen, allgegenwärtigen Ödlandvergessens…

Fazit:

Weit weniger als in den Vorgängerbänden spielt diesmal der klassische Weg im Sinne einer geografischen Strecke eine zentrale Rolle. Zwar liegt das Ziel – über das sich keiner der Agierenden so wirklich zur Gänze im Klaren ist – nach wie vor in weiter Ferne, wobei jede noch so minimale Entfernung in Ödlandmaßstäben gemessen werden muss: einer Norm aus Hunger, Angst, Einsamkeit, Kälte und der hohen Wahrscheinlichkeit des Todes. Diese Währung in ausreichender zu Menge zahlen zu können stellt auch eine mit allen Wassern gewaschene Söldnertruppe wie jene Hagens stets vor entmutigende Herausforderungen, bei denen auch eine Bankrotterklärung stets, einem Damoklesschwert gleich, über jedem einzelnen der Männer schwebt.

In sich kohärent und trotz der zentralen Umbrüche aus einem Guss, gelingt es Christoph Zachariae in seinem dritten Band der Ödland-Pentalogie den Charakteren erneut die ein oder andere noch unbeachtete Facette zu verleihen, Tiefgang in Handlung wie Personen zu bringen, Platitüden zu vermeiden und einen durchgängigen Spannungsbogen zu übernehmen, zu halten, sowie in Details auszubauen. Dem aufmerksamen Leser mag die Tristesse des Ödland nun eventuell bekannt sein und so verlegt sich der erzählerische Fokus auf die Ausarbeitung, das Ziselieren der soziologischen Komponenten, einer Zutat, die ebenso wie einen einst lebenswerte Welt, einer radikalen Wandlung in ein konterkariertes Zusammenleben ihre menschenverachtende Umwertung schuldet.

Der Autor liefert mit dem Roman erneut eine bravouröse Darstellung seines Gespürs für spannende Erzählkunst, (be)greifbare Handlung und denkbare Personen. Einiges wird geklärt, lose Enden vorläufig zueinander geführt ohne den Blick vorab auf das ganze Gewebe der Grundgeschichte zu enthüllen. Aus meiner Sicht: eindeutig und vorbehaltlos empfehlenswert!

Zum Buch:

Das 3. Buch der als Pentalogie angelegten Geschichte ist ebenso ästhetisch und hochwertig gestaltet, wie das erste. Es sei hier auf die ausführliche Beschreibung in der entsprechenden Rezension zu „Ödland – Der Keller“ verwiesen.

Buchdaten:

  • Titel: „Ödland – Das Versteck im Moor“
  • Autor: Christoph Zachariae
  • Umfang: 458 Seiten
  • Verlag: Lucid Dreams eBook Verlag; 2015
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-1-5228-0301-0
  • Größe: 21,6 x 14,0 x 2,7 cm

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