Wesenszüge – Rezension zu „Chimären“ – Alexander Kröger

By | 18. März 2017

Coverbild "Chimären" - Alexander Kröger„Genau wie ich wissen Sie, dass ethische und moralische Erwägungen in der Menschheitsgeschichte niemals eine entscheidende Rolle gespielt haben, wenn Wissen, Profitstreben und Kapital zusammentrafen.“ (S.11)

Zum Inhalt:

Dem Forscherteam rund um Dr. Lehmann und Master Shirley Lindsey gelingt ein medizinisch-biologischer Durchbruch. Nachdem man die Probleme mit Immunabwehr, dem Transfer von Genen- und Gengruppen innerartlich in den Griff bekommen hatte, wurde der logische nächste Schritt gewagt: das Sprengen von Artgrenzen. Zuerst an Tieren zur Perfektion getrieben, setzt sich Lehmann mit seinen Mitarbeitern über die zaghaften ethischen Bedenken hinweg und beginnt mit Hund-Mensch-Hybriden zu experimentieren. Die Tests verlaufen mehr als nur erfolgreich! So erfolgreich, dass sich die Mitglieder des Forscherteams unversehens mit zentralen Fragen eines regen Verstandes konfrontiert sehen, der weit über seinen ursprünglichen „Zweck“ hinaus, (s)einen Platz im Leben sucht – abseits bloßer Existenz. Gelingt es dem Schöpfer seinem Geschöpf die Frage nach dessen Platz in einer Welt zu beantworten, die mit der bloßen Existenz eben dieser Schöpfung in jedweder Hinsicht überfordert zu sein scheint?

Fazit:

Dr. Helmut Routschek, alias Alexander Kröger, kreiert mit „Chimären“ einen inhaltlich wie erzählerisch sehr dichten Text, dessen zentrale Thematik aktueller nicht sein könnte. Speziesübergreifende Genexperimente werfen nicht nur Fragen der reinen technisch-naturwissenschaftlichen Machbarkeit auf. Sie changieren auch nicht nur zwischen den Polen von rein edler medizinscher Hilfestellung und kalter betriebswirtschaftlicher Kosten-Nutzenrechnung. Vielmehr kommen Fragen der Ethik, der moralischen Verantwortlichkeiten und der Grenzziehungen zwischen dem Dürfen/Sollen und der Machbarkeit auf. Einen denkmöglichen Ansatz zeigt „Chimären“ auf, gespickt mit der zusätzlichen Implikation des „Selbst-Verständnisses“ der Geschöpfe des Homo faber. Wie viel des Schöpfers widerspiegelt sein Geschöpf? Und wenn das Geschöpf nach dem Sinn seiner Existenz, seiner Daseins-Berechtigung, seiner Zukunft fragt, welche Antworten hat eine Gesellschaft, die (kreiertes) Leben als Ding, als primär-wirtschaftliche Ressource sieht?
Die einfühlsame, beinahe liebvoll-empathische Schilderungen des heranwachsenden Ichs der Chimären im Roman stellt aus meiner Sicht einen der Höhepunkte des Textes dar, die den Autor weit abseits jedweder monokausalistischer Polemik einordnet.

Zum Buch:

Mit dem Band 20 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) liefert der Solar-X Verlag ein solides Paperback-Buch. Sowohl der feste, abwischbare Einband, als auch der griffige Seitenbedruckstoff hinterlassen, ebenso wie die stabile Verleimung, einen angenehmen haptischen Eindruck. Typografisch ist der Text schlicht gehalten, mit hoher Wertlegung auf gute Lesbarkeit. Drucktechnisch gibt man sich keine Blöße, sowohl was den Text als auch den Umschlag betrifft. Für die bildnerische Gestaltung firmiert Klaus Brandt, welcher auch eine entsprechende Webpräsenz für die AKW eingerichtet hat . „Der langjährige Lektor und Partner des Autors, Wilko Müller jr., plant als Herausgaber in der Edition Solar X eine komplett neue Alexander Kröger Werkausgabe mit 20 ausgewählten Werken.“ 1) D.h. man kann sich als Liebhaber klassisch hochwertiger SF auf weitere Texte aus der Feder Krögers im Rahmen dieser Werkausgaben freuen.

Buchdaten:

  • Titel: „Chimären“
  • Autor: Alexander Kröger
  • Umfang: 176 Seiten
  • Verlag: Edition Solar-X (2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-945713-30-3
  • Größe: 19,5 x 13,8 x 1,3 cm

 

Quellen:
1.) Internetpräsenz Alexander Kröger

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.