Wissensdestillate, Fenster zur Welt, Ordnungshilfen

By | 3. Januar 2015

Kleine_Geschichte_groszer_Lexika„Das Schmökern im Lexikon gleicht einem Schlendern in einer Landschaft, wo einem auf Schritt und Tritt etwas Überraschendes und Fesselndes begegnet…“ (S.16)

Zum Inhalt: Die „kleine Geschichte“ ist unterteilt in 5 ausgewiesene Abschnitte, wobei gerade der Beginn des Textes anfangs etwas befremdet.
Unter „1. Statt eines Vorwortes: 60 Begegnungen mit dem Lexikon“ lässt Werner Lenz ebenso viele Größen des kulturellen, geistigen, politischen und wissenschaftlichen Lebens zu Wort kommen. Von Denis Diderot über Wladimir Lenin, Ernest Hemingway und Max Frisch, bis hin zu Francis Yeates-Brown und Thilo Koch kommen sie in Zitaten zu Wort, die ihren Standpunkt zu den Lexika der entsprechenden Zeit aus verschiedensten Blickpunkten zum Ausdruck bringen. So meinte z.B. Antointe de Rivarol (*1753, †1801): „Die Lexika sind Friedhöfe verstaubter Wörter, die eines großen Autors harren, der sie in ihrem vollen Glanz auferstehen lässt.“ (S.10)
Darauf folgend, in „2. Von den Enzyklopädisten zur LEXIKOTHEK – Informationssysteme gestern, heute und morgen“, erfährt der Leser was es bedeutet ein Lexikon aus der Taufe zu heben, vom ersten Gedanken bis hin zum Marketing, welches sich erheblich von dem eines klassischen Printproduktes unterscheidet. Lenz geht auf die Problematik der Finanzierbarkeit ebenso ein, wie auf jene, die richtigen Mitarbeiter für ein oft Jahrzehnte andauerndes Unterfangen zu finden. Den Nimbus, den einen Lexikon-Redakteur oft umgibt, entzaubert er mit einem wissenden Schmunzeln („… es sind völlig normale Menschen, die sogar mit beiden Beinen auf dem bunten Teppich unserer Zeit stehen müssen…“ (S.32)), ohne jedoch den ungemein hohen Einsatz derselben damit zu schmälern.
Den Löwenanteil des Buches (S.40-125) nimmt ein lexikalischer Teil ein („3. Lexika, Lexikon und -verleger von A-Z“), in dem der Autor Unmengen an Fakten, Hintergrundwissen, Zusammenhängen, Verlagsanekdoten und Daten zusammengetragen hat, die bis 1980, dem Auflagedatum, auf der Höhe der Zeit waren / sind.
Ein Zeitlinie von 1674 mit dem Erscheinen des „ersten großen Lexikon Europas in einer lebenden Sprache“ (S.124) (»Le Grand Dictionnaire Historique“)« bis 1980 mit der 175 Jahr Feier von Brockhaus schließt an („4. 300 Jahre Lexikographie in Daten“). Und was wäre eine solches Werk ohne eine minutiös ausgearbeitete Literaturliste, die den Leser weiterführt auf dem spannenden Pfad der Lexikongeschichte („5. Literatur über Lexika und Lexikographie“).

Fazit: Ein herausragendes Werk über die Historie einer Sparte der Buchkunst, die über Jahrhunderte hinweg den Weg der geistigen und kulturellen Bildung und Überlieferung geprägt hat und von ihr geprägt wurde. Trotz der „nur“ 144 Seiten eine wahre Fundgrube an Informationen, Anekdoten und Hintergrundgeschichten der unterschiedlichsten Lexika.

Zum Buch: Neben der wunderschönen Gestaltung der Buchdeckel, sowie einer soliden Bindung sticht der saubere Druck und die der Thematik angemessene Typografie positiv ins Auge. Die durchgehend in SW gehaltenen Abbildungen beinhalten auch neben historisch-informativen Quellen auch solche, die zum Schmunzeln animieren und den sozialen Einfluss humoristisch beleuchten.

Buchdaten:

  • Titel: „Kleine Geschichte großer Lexika“
  • Autor: Werner Lenz
  • Ausgabe: 144 Seiten
  • Verlag: Fackelverlag; Auflage: 3 (1980)
  • Sprache: Deutsch
  • Größe: 21 x 14,3 x 1,3 cm

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