Zurück zur Natur…

By | 10. Oktober 2012

"Der Waldsteig" - Adalbert Stifter„Der Mensch kann mit wenigem zufrieden sein, so wie mit vielem.“ (S.92)

Zum Inhalt: Die Handlung der 96 seitigen Erzählung aus Stifters Feder ist recht einfach zu umreißen, nicht umsonst schreibt er selbst: „Die Geschichte ist eigentlich recht einfältig, und ich erzähle sie bloß, damit ich manchem verwirrten Menschen nützlich bin und daß man eine Anwendung daraus ziehe.“ (S.3)

Der Hypochonder Tiburius Kneight, mit bürgerlichem Namen Theodor Kneight, ist wohlsituiert, um nicht zu sagen reich. Jedoch kann er all seine Güter nicht recht genießen, da er beständig in Angst um seine Gesundheit lebt und somit seines Lebens nicht richtig froh wird. Gefangen in dem selbst erwählten Exil seines Landhauses wird er immer schrulliger, zieht sich mehr und mehr von der übrigen Dorfgemeinschaft zurück, bis er eines Tages von einem ebenso verschrobenen Arzt erfährt, der in der Nähe seines Anwesens lebt.
Über die Zeit werden die beiden Männer miteinander bekannt und der Arzt rät ihm einen Kuraufenthalt in einem Bad in den Bergen. Anfangs skeptisch folgt Tiburius dem Rat schlussendlich und verbringt die Sommer hinfort in dem Badekurort. Auf seinen Ausflügen in die Umgebung desselben verirrt er sich eines schönen Tages in einem der ausgedehnten Wälder, wandert stundenlang orientierungslos umher, bis er von einem Holzknecht aufgelesen und in das Dorf zurückgebracht wird.
Tiburius stellt sehr rasch fest, dass diese Wanderung, eine Veränderung in seinem Sinne und seinem Körper ausgelöst hat, die zu seinem Besten ist. In weiterer Folge dehnt er seine Wanderungen aus und lernt – im wahrsten Sinne des Wortes – auf diesem Wege Maria kennen. Dieses Bauernmädchen begleitet ihn auf seinen Ausflügen, wobei Tiburius schlussendlich zu der Erkenntnis gelangt, dass sie diejenige ist, die er zur Frau nehmen wolle.
Wie schon der Arzt aus Tiburius‘ Nachbarschaft richtig erkannt hatte, fehlten dem Hypochonder zum einen körperliche Betätigung in der Natur und zum anderen der gesellschaftliche Umgang mit wohlgesonnenen Menschen, um seinem Leben eine Richtung und Sinn zu geben.

Fazit: In dieser Erzählung zeigt sich aufs Neue die überragende Beobachtungsgabe Stifters, was die Natur sowohl des Menschen, als auch jene unserer Umgebung anbelangt. Landschaftsbeschreibungen, die einem Malen mit Worten gleichkommen, eine sehr positive Einstellung gegenüber den Mitmenschen, sowie eine angenehme Sprache machen das Büchlein zu einem Kleinod im Literaturschatz.

Zum Buch: Das Buch konnte ich auf einem Bücherflohmarkt erstehen, was den etwas desolaten Zustand des Einbandes erklärt, zumal es aus dem Jahre 1947 stammt. Ein wenig Recherche zeigt mir, dass es diese Erzählung auch in ansprechenden Neuauflagen gibt, was die Bibliophilen unter den Lesern sicher freuen wird 😉 .

Buchdaten :

  • Titel: „Der Waldsteig“
  • Autor: Adalbert Stifter
  • Papiereinband: 96 Seiten
  • Verlag: Engelbert Dessart Verlag Mainz (1947)
  • Sprache: Deutsch
  • Größe: 18,5 x 12,6 x 0,7 cm

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