Zusammenführung – Rezension zu „Ödland – Viktoriastadt“ – Christoph Zachariae

By | 30. Juni 2018

Zusammenführung – Rezension zu „Ödland – Viktoriastadt“ – Christoph Zachariae„In Wahrheit hocken wir alle auf Leichen und treiben den Fluss hinunter, dachte Stellgar“ (S.472)

Zum Inhalt:

Viktoriastadt. Mehr als ein Gerücht für Mega. Für sie gleicht es einem Magneten auf dessen Feldlinien sie angezogen von einer nicht greifbaren Neugier – oder Zuversicht ? – ihren Weg durch die Unbilden des Ödlands finden muss. Und dies nun auch noch zu zweit…

Das auch Viktoriastadt nicht abseits der unbarmherzigen Gesetze des Ödlands zu existieren gewillt ist, wird ihr schlagartig bewusst, als es um den Einlass in die Enklave geht. Wer hier schwanger vor den Toren erscheint, hat denkbar schlechte Karten. Das perfide Warum zählt zu jenen Schattenseiten matriarchaler Macht- und Ränkespiele, die Mega erst im Laufe ihres späteren Aufenthaltes in der Stadt der Mütter zu ahnen beginnt.

Für diesen Einlass, diese Ankunft, waren unsägliche Entbehrungen, der Verzicht auf die Nähe geliebter Menschen und die Umarmung des Todes in mannigfaltiger Gestalt von Nöten. Ob sich all das gelohnt hat, ob die Wurzeln Megas nun in Viktoriastadt oder doch im Keller der Universität gelegen sind, das sind Fragen denen sie sich stellen muss. „Unter bestimmten Voraussetzungen war die Konditionierung stärker als ihre Erziehung. Viktoriastadt hatte sie konstruiert.“ (S.363) Was sie in dieser vordergründig – im Vergleich zum umgebenden Rest der alten Welt – paradiesisch wirkenden Gesellschaft erlebt, weckt schlafende Erinnerungen, für ein Selbstverständnis zwar von Nöten, der Ausrichtung ihres inneren Kompasses jedoch nicht zwingend zuträglich.

Aber es ist nicht nur Mega, deren Geschichte im Staub des Ödlands ihren Niederschlag findet. Die Antwort auf Nathans Herkunft und Aufgabe, die Fortführung Stellgars und Jans Übereinkunft, die Aussendung Marks und dessen äußerst unvorhersehbares Schicksal, ebenso wie das Auftauchen eines Totgeglaubten, all dies geschieht, während die Zeit im Ödland verstreicht und jene auf Rettung warten die Mega einst im Keller mit einem Versprechen zurückgelassen hat, ein Versprechen, dass noch immer seiner Einlösung harrt…

Fazit:

Christoph Zachariae ist mit dem vierten Teil eine Fortsetzung der Ödland-Pentalogie gelungen, die eine postapokalyptische Geschichte aus einem Guss präsentiert. Er bleibt seinem dystopischen Entwurf ebenso kompromisslos treu, wie er seine Charaktere stimmig entwickelt – wobei stimmig in keinster Weise mit geradlinig zu verwechseln ist. Selbst die manchesmal erzählerisch verwegenen Winkelzüge münden nicht in logischen Brüchen, fügen sich in ein zwischen irisierender Vielschichtigkeit harter Endzeitrealität changierendes düsteres Bühnenbild ein, vor dem der klägliche Rest der Menschheit versucht zu überleben… oder wohl eher zu existieren.

Aus meiner Sicht eine der besten Dystopien, die ich kenne, vergleichbar mit „Luzifers Hammer“, einem Roman der Autoren Jerry Pournelle und Larry Niven, was Tiefgang, solide Konzeption und hervorragende Ausführung angeht. Und das Ganze wie beiläufig in einer erstklassig schönen Aufmachung, die ihresgleichen sucht. Eine glasklare Empfehlung!

Zum Buch:

Das 4. Buch der als Pentalogie angelegten Geschichte ist ebenso ästhetisch und hochwertig gestaltet, wie das erste. Es sei hier auf die ausführliche Beschreibung in der entsprechenden Rezension zu „Ödland – Der Keller“ verwiesen.

Buchdaten:

  • Titel: „Ödland – Viktoriastadt“
  • Autor: Christoph Zachariae
  • Umfang: 488 Seiten
  • Verlag: Lucid Dreams eBook Verlag; 2018
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-1980-41652-4
  • Größe: 21,6 x 14,0 x 3,0 cm

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