Der blinde Fleck einer Vision – Rezension zu „Das verhängnisvolle Experiment“ von Klaus Frühauf

By | 20. April 2019

"Das verhängnisvolle Experiment" - Klaus Frühauf„Die Ernüchterung kam nicht schlagartig, sie wuchs langsam und anfangs fast im Unterbewußtsein, und doch kam sie mit niederschmetternder Wucht“ (S.18)

Zum Inhalt:

Jemals wieder die Leitung einer Expedition zu übernehmen, das war für Peter Mankov eine beinahe ausgeträumter Traum. Der Crash über Orechowka hatte nicht viel von ihm übrig gelassen. Und dies in mehrfacher Hinsicht. Dennoch saß er nun im Raumer auf dem Weg nach Procyon 4. Seine Crew und er sollten die Spur eines vor ihnen gestarteten Schiffes verfolgen, welches als verschollen galt.

Alles könnte zu Mankovs vollster Zufriedenheit sein. Doch die Tatsache, dass an Bord zwei Hastoniden als Crewmitglieder mitreisten behagte ihm gar nicht. Hastoniden, Kreaturen, die von Professor Haston geschaffen worden waren. Ursprünglich Menschen. Menschen deren Wahl es war nach einem traumatischen Geschehen ein leben Lang an medizinische Maschinerien gefesselt dahin zu vegetieren oder sich auf die Experimente Hastons einzulassen. „Belohnt“ wurden sie mit Körpern, deren Schnelligkeit, Ausdauer und Widerstandskraft gegen Krankheiten, Umweltunbilden, ja sogar radioaktive Strahlung legendär war. Einer der Gründe für Mankovs Bedenken war auch die Tatsache, dass auf der Vorgängermission ebenfalls Hastoniden einen wesentlichen Kern der Mannschaft ausmachten. Den Verdacht, dass dies mit dem Verschwinden der Mission zu tun hat, kann Mankov einfach nicht verdrängen.

Auf Procyon 4 angekommen, finden sich anfangs keine Spuren der Verschollenen. Einzig ihr Raumer steht unbeschädigt, ohne sichtbare technische Mängel nahe eines stadtähnlichen Gebildes. Bis allerdings eine Verständigung mit den zweifellos intelligenten Einwohnern Procyons auf nur in Erwägung gezogen werden kann, steht eine verlustreicher Weg bevor. Mankovs Vermutungen bezüglich der Hastoniden spielen dabei eine zentrale Rolle, jedoch in zu Gänze anderer Form als erwartet…

Fazit:

Klaus Frühauf erweist sich auch in diesem Band als ausgezeichneter Erzähler, mehrschichtiger Handlungen. Dabei stellen technische Feinheiten, sowie außerirdische Szenerien, wie sie auf dem Planeten Procyon 4  stets auf’s Neue erscheinen, nur die Bühne zentraleren Geschehens dar. Jenes Geschehen, aus welchem Beweggründe zu Handlungen führen. Den Fragen nach dem Warum des Handelns misst Frühauf eine weitaus bedeutendere Signifikanz bei, als der Handlung per se.

Dieses Im-Kopf-des-Protagonisten-Sein, näher noch als die symbolhafte Fliege an der Wand, fängt die Leserschaft, zieht sie in den Bann, vermittelt ein Verstehen, die Frühauf als Erzähler wichtig ist. Auf weiten Strecken wirkt das Grundtimbre durchweg dystopisch, um sich – ein Grundzug vieler Erzählungen Frühaufs – doch einen Weg in eine „bessere“ Zukunft der Menschheit offen zu halten, wenn der Mensch nur fähig ist aus Fehlern zu lernen und sich auf eine grundlegend humanistische Gesinnung einschwören lässt.

Zum Buch:

Die Reihe aus der Kompaß-Bücherei, deren Nr. 369, der vorliegende Band darstellt ist ohnehin nicht für buchhandwerklich hohe Ansprüche resp. Qualität nekannt. So verwundert es auch hier nicht, dass der Seitenbedruckstoff von minderer Qualität, die Verleimung des Buchblockes eher schleißig und die Typografie von sekundärer Relevanz ist. Gesetzt wurde der Text aus der Timeless in 9p, ist somit nicht sehr leicht lesbar und wirkt gedrängt.

Nun jedoch zu den positiveren Seiten, denn auch die gibt es. Die Illustrationen von Werner Ruhner, welche den Text bildhaft passend unterstreichen wurden ausnehmend gut drucktechnisch zu Papier gebracht (hier ein Beispiel dazu). Bei der Gestaltung des für ein Paperback recht soliden Umschlages verließ man sich ebenfalls auf die Expertise und das Können Ruhnerts.

Für diesen Punkt der Buchbesprechung muss leider festgehalten werden, dass die handwerkliche Realisierung dieser Ausgabe der Qualität der Geschichte auch nicht annähernd gerecht wird. Leider!

Buchdaten:

  • Titel: „Das verhängnisvolle Experiment“
  • Autor: Klaus Frühauf
  • Umfang: 340 Seiten
  • Verlag: Verlag Neues Leben Berlin; Auflage 1988
  • Sprache: Deutsch
  • Lizenz-Nr: 303 (305/142/88)
  • Größe: 17,7 x 10,8 x 1,5 cm

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