„Des Glück is a Vogerl…“ – Rezension zu „Anleitung zum Unglücklichsein“ – Paul Watzlawick

By | 16. Februar 2019

 „Anleitung zum Unglücklichsein“ von Paul Watzlawick„Wo kämen wir denn hin, wenn sich immer mehr Menschen davon überzeugten, dass ihre Lage hoffnungslos, aber nicht ernst ist?“ (S.26)

Zum Inhalt:

Humorvoll, aber nicht minder ernstzunehmend, wendet Pauk Watzlawick so ziemlich jeden Kunstgriff – oder sollte man sagen Untergriff 😉 – aus dem Methodenkoffer der umgekehrten Psychologie an, um seinem Leser*inner vor Augen zu führen: „Unglücklich sein kann jeder; sich unglücklich machen aber will gelernt sein, dazu reicht etwas Erfahrung mit ein paar persönlichen Malheurs nicht aus.“ (S.14f).

Wer kennt sie nicht, all die Aphorismen, Lebensregeln, „guten Worte“ etc. mit denen man im Laufe einer mehr oder weniger profunden humanistischen (Aus-)Bildung in Berührung kommt: „Edel sei der Mensch hilfreich und gut.“, die Geschichte mit dem Hammer des Nachbarn oder die weiten Gefilde der selbsterfüllenden Prophezeiungen. Zuhauf findet Watzlawick die essentiellen Hilfestellungen für den Unbedarften/die Unbedarfte in Sachen Unglücklichsein. So weist er denn gleich zu Beginn den Suchenden/die Suchende darauf hin was er/sie zu erwarten hätte:  „Die Zahl derer, die sich ihr eigenes Unglück nach bestem Wissen und Gewissen selbst zurechtzimmern, mag verhältnismäßig groß scheinen. Unendlich größer aber ist die Zahl derer, die auch auf diesem Gebiet auf Rat und Hilfe angewiesen sind. Ihnen sind die folgenden Seiten als Einführung und Leitfaden gewidmet.“ (S.13)

Der/die Leser/in braucht ein wenig, nennen wir es Geduld, mit sich selbst und dem Autor, um im Laufe der Lektüre unterscheiden zu lernen, »werde ich grade eben auf die Schippe genommen, oder ist das jetzt ernst gemeint?«. In jeden Fall, lässt der Text nicht kalt. Er hilft Gewohntes, Althergebrachtes, vielleicht Liebgewonnenes einmal darauf abzuklopfen, ob es denn einer glücklicheren, fröhlicheren Lebenseinstellung nicht zuwiederläuft. Die Entscheidung weiterhin mit Akribie am eigenen Unglück zu basteln oder mit etwas Humor dem Glück den Vorzug zu geben überlässt der Autor dabei stehts dem mündigen Menschen, denn „nichts ist so schwer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen.“ (S.10) 🙂

Fazit:

Immer wieder auf’s Neue muss man die aufmerksame Leserschaft schmunzeln ob der Analogien Watzlawicks, sowie dem Wiedererkennungsmoment der eigenen Person darin. Walter Kindermann fasst eloquent zusammen, was Watzlawicks Text damals wie heute so erfrischend als Unikat ausweist: „Nicht – wie so viele Autoren, die in den letzten Jahren den Markt mit Glücksanleitungen überschwemmt haben – wohfeile Gerauchsanweisungen zu liefern, sondern uns den Spiegel vorzuhalten und uns zu zeigen, was wir alltäglich alles gegen unser mögliches Glück tun.“

Zum Buch:

Der Piper-Band mit der internen Nummer 4316 ist für ein Taschenbuch durchaus wertig ausgeführt. Die Verleimung des Buchblockes inkl. der Buchdeckel ist solide, die Typografie geradlinig und schnörkellos. Der Seitenbedruckstoff ist griffig, neigt aber leider etwas zum Vergilben, und die Buchdeckel fest, sowie thematisch und künstlerisch ansprechend gestaltet. Ein rundum handwerklich gut realisiertes Paperback.

Buchdaten:

  • Titel: „Anleitung zum Unglücklichsein“
  • Autor: Paul Watzlawick
  • Umfang: 136 Seiten
  • Verlag: Piper
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3-492-24316-9
  • ISBN-13: 978-3492243162
  • Größe: 19,0 x 12,0 x 1,3 cm

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