Erzählfacetten – Rezension zu „Die Mücke Julia“ von Alexander Kröger

By | 22. Dezember 2018

Die Mücke Julia von Alexander Kröger„Man sollte an Stellen, wo wichtige Entscheidungen für die Menschheit oder auch nur für ein Volk getroffen werden, auf jeden Fall ebenso viele – wenn nicht gar mehr – couragierte Frauen haben wie Männer.“ (S.20f)

Zum Inhalt:

Im Umschlagtext liest man, dass der Storyband 1996 erstmals erschien und von Alexander Kröger überarbeitet 2011 mit neuen Storys aufgelegt wurde. Hat man die Werkausgabe bis hierher, d.h. Band 17 mitverfolgt und gelesen, so wird man einige Reminiszenzen erkennen.

Schließlich handelt es sich bei „Nachtschicht“ um eine Studie aus oder zu dem Roman „Begegnung im Schatten“, bei „Besuch“ um eine Vorlage zu „Expedition Mikro“. „Wasser für Linda“ kann als Ausarbeitung eines Themas auf „Mimikry“ gesehen werden und „Überraschung“ greift ein Lieblingsthema Krögers in einer Variation zu „Die Marsfrau“ auf. Kröger setzt sich in seiner Erzählsammlung mit bis heute tagesaktuellen Themen auseinander, die einen Bogen von Gentechnik, über Atomkraft bis hin zu Fragen der sozialen und moralischen Implikationen derselben im alltäglichen Leben des Einzelnen hat.

Dabei wird das Ganze in Elemente aus Krimi („Restrisiko“) ebenso verpackt wie in klassische Science-Fiction, wobei letzteres tendenziell überwiegt. In den Erzählungen „Die Mücke Julia“ und „Das Abartige“ versucht Kröger einen interessanten erzählerischen Ausflug indem er die Welt aus Sicht eines Insekt zu interpretieren versucht.

Eine Besonderheit dieses Bandes stellt das Nachwort des Verlegers Wilko Müller  und die Kurzbiografie zum Autor Alexander Kröger dar. Dabei geht Wilko Müller zum einen auf die Entstehungsgeschichte der Gesamtausgabe, die Beweggründe die Idee umzusetzen und zum anderen auf Kritikpunkte an der DDR-SF im Allgemeinen sowie im speziellen des Werkes von Kröger ein.

Enthaltene Erzählungen:

  • Das Mal
  • Überraschung
  • Kaiserschnitt
  • Der kleine Fehler
  • Nachtschicht
  • Gesetzlichkeit
  • Besuch
  • Die Mücke Julia
  • Der Kommunikator
  • Wasser für Linda
  • Der Lautloser
  • Die Wunscheule
  • Treff im Sektor 17
  • Das Abartige
  • Restrisiko
  • Wiederkehr

 

Fazit:

Wie bei Erzählbänden nicht selten, finden sich unter den zahlreichen Geschichten gute und weniger gut elaborierte Texte. Zwar rundet der Band die Sicht auf das Gesamtwerk Krögers durchaus ab, was die zentrale Intention dahinter sein dürfte, aber der große Wurf ist darin nicht zu finden. Eher gewinnt man den Eindruck des Fragmentarischen, nicht ganz Fertigen. So stellen sich für mich die Geschichten, v.a. im Licht der anderen Romane betrachtet, eher als Skizzen dar.

Zum Buch:

Nachdem es sich bei Band 17 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

Buchdaten:

  • Titel: „Die Mücke Julia“
  • Autor: Alexander Kröger
  • Umfang: 200 Seiten
  • Verlag: Edition SolarX; 1. überarbeitete Auflage 2018
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-945713-47-1
  • Größe: 19,5 x 13,8 x 1,4 cm

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