Freie Quellen – Rezension zu „Just for Fun“ von Linus Torvalds und David Diamond

By | 8. Dezember 2018

Just for Fun von Linus Torvalds und David Diamond„Revolutionaries aren’t born. Revolutions can’t be planned. Revolutions can’t be managed. Revolutions happen…“ (S.x)

Zum Inhalt:

Das Bild welches David Diamond in seiner literarischen Annäherung an die Person Linus Torvalds zeichnet ist ein ausgesprochen facettenreiches. Natürlich liegt der primäre Focus auf den Beweggründen eines jungen Nerds, ein Betriebssystem zu schreiben. Keinesfalls war diese die ursprüngliche Intention, startete doch alles mit simpleren Werkzeugen wie Editoren, Shells, Dail-in-Programmen.

Neben den für technisch interessierte Leser immer wieder eingestreuten Bonmonts zur IT-Historie, lernt der Leser den Menschen hinter einer bahnbrechenden Idee, einer genialen Software kennen, die unser Leben, wie wir es heute führen, grundlegend mitbestimmt. Neben einer kurzen Ahnenforschung, wenn man es so nennen will, kommen auch WegbegleiterInnen Linus‘ zu Wort. Sowohl sein Verhältnis zu seinem Vater, seiner Mutter und Schwester, wie auch die prägenden Jahre mit seinem Großvater Leo Waldemar Törnqvist, bei dem er seinen ersten VIC-20 in die Finger bekam, finden Erwähnung.

Stets nimmt Linus in seinen autobiografischen Textpassagen Bezug auf seine Kindheit und Jugend, in der er sich als klassischen Nerd sah / sieht. Und das zu einer Zeit in der dieser Begriff noch keinesfalls mit dem Adjektiv cool assoziiert wurde. Das Augenmerk liegt auch oft auf dem Weg den Linus an der Universität, eingebettet in die typisch finnische Mentalität, geprägt durch Land, Witterung und Geschichte, durchlief. Die ersten Gehversuche mit Minix, das Finden und Überwinden von Stolpersteinen und Unzulänglichkeiten in der vorhanden  Software, deren Beheben für den jungen Programmierer stets willkommene Herausforderungen waren. So wird er u.a. wie folgt beschrieben: „For he is, I think, motivated not by ‚computers‘, and certainly not by fame and riches, but by honest curiosity and a wish to conquer difficulties as they arise, and to do it *the right way* because that’s the way it IS and he won’t give up.“ (S.70)

Dem Stereotyp des hinter vorgezogenen dicken Vorhängen bleich hinter dem Computer sitzenden Jugendlichen dürfte Linus wohl durchaus entsprochen haben – so man seinen eigenen Ausführungen lauscht. Erst sein Entschluss seinen Programmcode im Austausch gegen Verbesserungsvorschläge mit im Geiste Gleichen über das Netz zu teilen, trat eine Lawine los, die den beinahe schon soziphoben jungen Mann in das Rampenlicht stieß, das ihm stets – auch heute noch – Unbehagen bereitet(e).

Interessant sind auch die sehr persönlichen Ausführungen Linus‘ zu Themen wie Open-Source, dem Sinn des Lebens, Business-Modellen, seiner tiefgreifenden Abneigung gegen Schwarz-Weiß-Malerei und die Zurechtrückung seiner Selbst im Lichte der Presse. „While I might be somebody’s idea of a folk hero, I’ve never been the selfless, ego-free, techno-lovechild the hallucinating press insists I am.“ (S.118)

Nicht zu kurz aber angenehm unaufdringlich durchdringt das unbedingte Ja zu seiner Familie, sowie die Wertschätzung gegenüber seiner Frau weite Teile des Buches. Sich ein Blatt vor den Mund zu nehmen, war noch nie wirklich Linus‘ Stärke. Dies mag wohl auch der Grund seiner vor kurzem angekündigten Auszeit sein. Ein Mangel an tiefsinnigem Humor mit einem Schuss Selbstironie und Sarkasmus kann dem Text nicht vorgeworfen werden.

Fazit:

Aus meiner Sicht eine sehr gelungene Autobiographie eines Menschen, dessen Werk, Einstellung und Visionen Unzähliges in unserem Leben erst möglich machte. Neben diesen Lebenseindrücken vermittelt der Text vielfältige Zusammenhänge, technische Geschichte und Details die IT-Interessierte zu schätzen wissen.

Ein Buch das zu lesen große Freude macht und eine Bereicherung an Fachwissen ganz nebenbei liefert.

Zum Buch:

Der Bedruckstoff des Buches kann ohne zu übertreiben als qualitativ minderwertig bezeichnet werden. Die Druckqualität ist eher mäßig und immer wieder sind es Verunreinigungen die das Schriftbild trüben z.B: hier). Die Verleimung des Buchblockes hingegen ist solide, die Buchdeckel für ein Paperback passend fest, wenn auch nicht übermäßig künstlerisch gestaltet. Die Typografie ist etwas chaotisch, weist aber nach kurzem Einlesen sehr wohl einen roten Faden in der Textstrukturierung auf.

Buchdaten:

  • Titel: „Just for fun – The Story of an Accidental Revolutionary“
  • Autor: Linus Torvalds and David Diamond
  • Umfang: 262 Seiten
  • Verlag: HarperBusiness
  • Sprache: English
  • ISBN: 0-06-662072-4
  • Größe: 20,3 x 13,5 x 1,8 cm

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