Identitätsfindung – Rezension zu „Mimikry“ – Alexander Kröger

By | 17. November 2018

Identitätsfindung – Rezension zu „Mimikry“ – Alexander Kröger„Man kann wohl nicht Jahrzehnte eines Lebens einfach löschen, ein anderes, beinahe fremdes hernehmen, in es hineinschlüpfen und meinen, es von einem bestimmten Level aus, so mir nichts, dir nichts, einfach fortsetzen zu können.“ (S.123)

Zum Inhalt:

Ursula Brest ist Geningeneurin. Und eine gute obendrein, hat sie doch bei den Besten in Asien gelernt. Ein tragischer Unfall, der sie als einzige mit dem fortschrittlichen Wissen um die dauerhaften Veränderung lebenden Gewebes zurücklässt, zwingt sie wieder nach Deutschland zurückzukehren. Nachdem sich Miete und Lebenshaltung nicht von alleine erledigen, verdingt sie sich in einer Firma, welche v.a. mit Gentechnik im Agrarbereich ihr Geschäft zu machen scheint.

Ursulas Gespür gibt ihr recht, dass hinter der Fasade jedoch noch recht dubiose Machenschaften stattfinden. Ihr Chef Berger wittert zum einen im Wissen der Geningenieurin seine große Chance, ist auch zum anderen nicht zimperlich in den Methoden dieses Wissens habhaft zu werden. Ein Grund mehr für Ursula, sich ihre Technik der Gewebeveränderung zunutze zu machen und unterzutauchen, ein gänzlich anderes Leben zu beginnen.

Mit der Hartnäckigkeit und v.a. den skrupellosen Methoden ihres Exarbeitgebers hatte sie jedoch nicht gerechnet. Berger setzt seine Männer ein, Ursula davon zu überzeugen, dass eine Kooperation mit ihm ihrer Gesundheit zuträglich sein würde. Erneut muss Ursula ihre Identität von heute auf morgen ändern.

Die Frage jedoch ist, wie lange kann sie dieses Procedere aufrechterhalten? Wie oft kommt ihr der glückliche Zufall noch zu Hilfe? Und wie viel ihres sozialen Lebens ist sie wirklich bereit erneut zu opfern? Es stellt sich heraus, dass sie doch nicht so ganz alleine ist, wie sie glaubte…

Fazit:

Das Faible Krögers für fantastische Geschichten rund um Gentechnik zieht sich auch in diesem Roman als roter Faden durch. Ob man nun die Thematik um Selbstjustiz resp. Selbstverteidigung in der geschilderten Form für gut befindet, muss jeder Leser für sich beurteilen – im Kontext nachvollziehbar ist die Handlung allemal.

Gelungen ist der Aufbau einer Kriminalgeschichte, denn als solche würde ich sie primär einordnen, ebenso, wie die mitschwingende Thematik der sogenannten Wende in Deutschland aus einem kritischeren Winkel betrachtet. Das Aufeinandertreffen von Lebenseinstellungen, von Überzeugungen im ganz alltäglichen Umgang mit Kollegen, Freunden, der Arbeitswelt und der eigenen Zukunftplanung findet im Text seinen Widerhall, welcher abseits des zentralen Handlungsstranges immer aufs neue zum Nachdenken anregt.

Aus meiner Sicht einer der gut gelungenen Texte aus der Feder Alexander Krögers.

Zum Buch:

Nachdem es sich bei Band 15 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

Buchdaten:

  • Titel: „Mimikry“
  • Autor: Alexander Kröger
  • Umfang: 174 Seiten
  • Verlag: Edition SolarX; 1. überarbeitete Auflage 2018
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-945713-45-7
  • Größe: 19,5 x 13,8 x 1,3 cm

P.S.: In eine ähnliche Richtung, mit etwas mehr Action geht der Roman von Daniel Suarez „BIOS“.

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