Lindwurmweihnacht – Rezension zu „Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ von Walter Moers und Lydia Rode

By | 15. Dezember 2018

"Weihnachten auf der Lindwurmfeste" - Walter Moers, Lydia Rode„Man kann sterben – wie blöd ist das denn? Wenn man sich nicht mal auf sich selber verlassen kann, auf wen dann?“ (S.29)

Zum Inhalt:

Begegnet man in den weiten Zamoniens – was eher selten ist – oder gar auf der Lindwurmfeste einem aus dem Geschlecht der Lindwürmer, so würde man kaum vermuten, dass diese imposante der Dichtkunst fröhnende Daseinsform Zamoniens, derart schwache Nerven an den Tag legen könnte, wie Hildegunst von Mythenmetz, wenn man auf das Thema Hamoulimepp zu sprechen kommt.

Welch emotionale Anspannung Mythenmetz in der Zeit dieses Festes auszuhalten gezwungen ist, muss er sich schon allein aus psychohygienischen Gründen von der Seele schreiben. Und welcher Adressat wäre hierbei geeigneter als sein geschätzter langjähriger Brieffreund und Buchaimer Antiquar Hachmed Ben Kibitzer, seineszeichens ein Eydeet der Kategorie 3.

Hamoulimep, „ein soziales Phänomen mit viel Erklärungsspielraum“ (S.26), so Mythenmetz. Dem Leser fallen unschwer die Parallelen zum Weihnachtsfest unserer Breiten ins Auge und so mancher kann die Aversion bezüglich einiger Auswüchse nachvollziehen.

Wie immer weiß Hildegunst seine seelischen Zustände eloquent zu Papier zu bringen. Seinem Haus- und Hofübersetzer Walter Moers ist es gelungen das Timbre der Lindwurmprosa gekonnt einzufangen und mit Lydia Rode wurde eine ebenso begabte wie feinfühlige Künstlerin mit der malerischen Gestaltung gewonnen.

Ein Buch welches die zamonische Erzählwelt bereichert.

Fazit:

Mein Resümee ist diesmal, was die Geschichte betrifft, etwas durchwachsen: zum einen ist es unzweifelhaft ein „Moers“ oder Mythenmetz, je nachdem was man als Nomenklatur präferiert. Es mag vielleicht nur mir so gehen, aber das beinahe heimelige Zamoniengefühl kommt bei diesem Briefroman nicht so wirklich auf.

Sicher ist der Text witzig, teils angenehm spitzfindig und in moersscher Manier doppeldeutig, aber die Einbettung der Geschichte in das „klassische“ – oder gewohnte – Zamonien ging mir etwas ab. Im Gegensatz dazu fand ich mich in der Leseprobe zu „Der Bücherdrache“, welche sich auf den letzten Seiten findet durchweg in Zamonien wieder. Aus meiner ganz persönlichen Sicht wurde etwas zu viel an der Optik und etwas zu wenig an der inhaltlichen Gesamtstimmigkeit mit den übrigen Geschichten Moers gefeilt.

Keineswegs ist deswegen die Geschichte uninteressant oder gar schlecht. Vielmehr fehlt ihr einfach ein gewisses Etwas, welches die Erzählungen rund um Rumo, einen Käpt’n Blaubär oder auch Schrecksen ausmacht.

Trotzdem aus meiner Sicht ein Buch das in keiner Moers-Sammlung fehlen sollte!

Zum Buch:

Bereits die Bücher welche Walter Moers sozusagen im Alleingang illustriert und gestaltet hat sind Kleinode künstlerischer Buchgestaltung. Das sprichwörtlche Sahnehäubchen jedoch kam hinzu als er mit Lydia Rode begann etwas mehr Farbe auf die Seiten zu bringen. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Zeichnungen sind wie gewohnt archaisch in bester zamonischer Tradition und doch von einer filigranen farblichen Eleganz, wie sie Rode bereits in „Prinsessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“ bravourös gestaltet hat. Doch nicht nur dies ist wunderschön gelöst, auch die Typografie, eine Kunst deren sich Moers in seinen Büchern stets auf’s Neue meisterhaft bedient, ist eine wahre Augenweide. Hier erkennt der Zamonienbewanderte immer wieder Anklänge an frühere Werke des Autors resp. Einflüsse der unterschiedlichsten zamonischen Traditionen.

Die Buchdeckel, der Buchumschlag, das Lesebändchen und all die anderen „Kleinigkeiten“ sind mit ungeheuer viel Detailverliebtheit, Können und Wertlegung auf Qualität realisiert worden. Ein Buch das optisch, haptisch und inhaltlich zu den schönsten in meiner Sammlung gehört.

Buchdaten:

  • Titel: „Weihnachten auf der Lindwurmfeste“
  • Autor: Walter Moers, Lydia Rode
  • Umfang: 112 Seiten
  • Verlag: Penguin Verlag; Auflage 2018
  • Sprache: Deutsch
  • SBN-13: 978-3-328-60071-8
  • Größe: 19,7 x 13,2 x 4,5 cm

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