Macht erwächst aus Glauben – Rezension zu „Die Consolata“ – Gertrud von le Fort

By | 13. Oktober 2018

Macht erwächst aus Glauben – Rezension zu „Die Consolata“ – Gertrud von le Fort„Dies nämlich ist die wahre Macht: nichts mehr besitzen, was sich noch als Macht bezeichnen ließe, und doch unüberwindlich sein – unüberwindlich!“ (S.28)

Zum Inhalt:

Als Bühne ihrer Novelle wählt Gertrud von le Fort Italien, genauer Padua, zu Beginn der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, wo sich der Despot Ansedio, des Rückhaltes im Volk beraubt, in seiner Burg verschanzt.

Filippo Fontana soll in seiner Rolle als päpstlicher Legat Padua von der Tyrannei Ansedios befreien, dabei jedoch darauf achten in der ohnehin geschundenen Bevölkerung keine Opfer zu fordern. Filippo fasst vorerst den Entschluss mit Ansedio zu sprechen. Schon beim ersten Augenschein, dem er die Stadt unterzogen hatte war ihm eine Laienbruderschaft aufgefallen. Vom Volk hatte diese den Namen Consolata erhalten, „ursprünglich gegründet zur Übernahme von Bürgschaften für Hilflose, die – sei es durch die öffentliche Gewalt oder wen immer sonst – bedrängt wurden.“ (S.13) Durch die Umstände der Gewaltherrschaft Ansedios verlagerte sich die Aufgabe der Brüder hin zur tröstenden Begleitung der vielen durch Ansedios Verdikte zum Tode Verurteilten und deren Familien. „Kurz, wo immer die unermeßliche Trostlosigkeit der vergangenen Tage zur Gestalt geworden, da war auch die Gestalt des Trostes, die Consolata, sichtbar gewesen.“ (S.15)

Ansedio scheitert letztendlich an der Barmherzigkeit der Consolata, die ihn als einen oder vielmehr den Bußprediger schlechthin titulieren, habe er doch keinen geringen Anteil daran, unzählige Seelen geläutert zu haben, was ihn jedoch nicht von seiner Schuld freispräche. Dieser in der christlichen Lehre verankerte und durch die Consolata gelebte Edelmut ist für Ansedio Grund genug in sich zusammenzubrechen und den Freitod zu suchen.

Beeindruckt von den im Realen umgesetzten Werten der Bruderschaft erweist Filippo Fontana der eingenommenen Stadt ebenso wie den Anhängern Ansedios Gnade, spricht sich gegen jedwede Lynchjustiz aus und reist vom Glauben der Consolata inspiriert nach Assisi.

Fazit:

Gertrud von le Fort setzt sich auch in der Consolata, ebenso wie im überwiegenden Teil ihres Schaffens, mit Fragen des christlichen Glaubens und dessen Übertragung in das reale Leben auseinander, so auch in ihren lyrischen Werken. Manfred Schäfer meinte: „„Der Unbarmherzige wird noch einmal an der Barmherzigkeit zerschellen“ ist die Grundthese der Erzählung, die nicht nur wegen des Muts der Autorin beachtenswert, sondern insbesondere wegen ihrer literarischen Qualität und Weitsicht auch heute noch lesenswert ist.“ (Quelle: hier)

Zum Buch:

Das Bändchen mit der Nummer 615 aus der Insel-Bücherei erscheint in einer ausgesprochen schlichten Einbandgestaltung, jedoch nichts desto trotz in solider Fadenheftung mit festen Buchdeckeln, haptisch sehr angenehmen Seitenbedruckstoff und einen sauberen ausrissfreien Druckbild. Der Text wurde aus der Linotype-Aldus-Buchschrift gesetzt, einer schmal laufenden, leichteren Ergänzung zur Palatino, und wird von einem hübschen Zierat als typografischem Stilmittel eingeleitet. Für den Druck firmiert Ludwig Oehms, Frankfurt a.M.

Buchdaten:

  • Titel: „Die Consolata“
  • Autor: Getrud von le Fort
  • Umfang: 40 Seiten
  • Verlag: Insel Bücherei; Inselverlag Nr. 615, 36. bis 50. Tausend der Einzelausgabe: 1957
  • Sprache: Deutsch
  • Größe: 18,5 x 12 x 0,8 cm

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