Orthografisch-grammatischer Scheideweg – Rezension zu „Warum es nicht egal ist, wie wir schreiben“ – Kathrin Kunkel-Razum u.a.

By | 4. Mai 2019

"Warum es nicht egal ist, wie wir schreiben" - Kathrin Kunkel-Razum u.a.„Die Wörter verlangen von uns den Respekt, dass wir sie richtig schreiben.“ (S.45)

Zum Inhalt:

Der Miniband aus dem renomierten Dudenverlag, wird als „Debattenbuch“ tituliert (Klappentext) und macht seinem Namen alle Ehre, stellt er doch die Niederschrift einer Podiumsdiskussion moderiert von Kathrin Kunkel-Razum, ihres Zeichens Leiterin der Dudenredaktion dar. An der Diskussion nahmen der Theater- und Filmschauspieler Burghart Klaußner, die Schulentwicklerin und Grundschullehrerin Ulrike Holzwarth-Raether, sowie Peter Gallmann Inhaber des Lehrstuhls für Deutsche Sprache der Gegenwart in Jena, teil.

Fünf Felder sind es dabei, die sich in den Fragestellungen eröffnen:

  • Was hat das mit mir zu tun? Persönliche Berührungspunkte mit der Rechtschreibung
  • Zum Klagen und Lamentieren? Der aktuelle Zustand der Rechtschreibung in der Ausbildung heute
  • Elementar wichtig oder überschätzt? Die Bedeutung von Rechtschreibkompetenzen
  • International relevant oder typisch deutsch? Der Diskurs zur Rechtschreibung
  • Engagement und Förderung fordern? Viele können etwas tun

In der Auseinandersetzung werden Themen wie der Einfluss elektronischer Medien, jener der Migration, sowie die überbordenden Ansprüche der Kompetenzenvermittlung an die Schulen beleuchtet. Ebenso rückt die Frage in den Vordergrund, ob es sich bei dem vielbeschworenen Phänomen der mangelnden Rechtschreibkompetenz tatsächlich um ein quantitativ und qualaitativ messbares und somit einer wissenschaftlichen Untersuchung Zugängliches handelt, oder ob nur gesellschaftspolitisches Kleingeld daraus geschlagen werden soll.

Durch den Dialogcharakter des Buches gelingt ein kurzweiliger, argumentativ irisierender Exkurs in ein Gebiet, welches nicht wenige Leser*innen noch mit schulischem Drill oder schlicht langweiligem Beiwerk in Verbindung bringen dürften. Dass die Auseinandersetzung mit Orthografie Freude, Forscherdrang, ja durchaus auch Begeisterung oder einfach nur das positive Gefühl des Beherrschens einer gewissen Meisterschaft in einer Sprache nach sich ziehen kann, vermögen die Seiten eindrücklich zu vermitteln.

Fazit:

Interessiert man sich für Sprache, insbesondere hierbei für die deutsche 😉 , so kommt man nicht umhin, immer wieder das lautstarke Lamentieren zu hören, welches sich erhebt, geht es um die korrekte Verwendung eben dieser Sprache. Die Teilnehmer*innen der Podiumsdiskussion machten es sich nicht nur leicht, in die Kerbe des ewig Gestrigen und „der guten alten Zeit“ zu schlagen. Der Versuch Sprache und hier primär das Geschriebene als ein lebendiges, sich durch den Gebrauch änderndes Kulturgut zu sehen macht den Text durchaus zu einem erfrischenden Fundus an Denkanstößen und Argumenten, die nicht zuletzt wieder das Auge für die Schönheit einer Variabilität bei allem (nötigen) Regelwerk öffnet. Vilém Flussers schreibt in seinem Essay „Die Schrift“ zu diesem Thema: „Das kostbare Gleichgewicht zwischen Strenge und Elastiziäz unserer Sprachen ist eine Herausforderung an uns, sie zu erhalten und weiterzugeben.“ („Die Schrift“, S.61)

Zum Buch:

Es ist ein sehr kleiner Band aus der Dudenredaktion, welcher sich dem weiten Feld der Orhografie nähert. Entsprechend einfach ist es dadurch auch eine solide Verleimung des Buchblockes, sowie desselben mit dem Umschlag zuwege zu bringen. Die Typografie ist – man ist versucht zu sagen – archaisch, ja schmucklos, fokussiert auf den Inhalt. Der Druck wurde sehr sauber, ohne Schnörkel und ohne jedweden Ausreißer realisiert. Die Klappen des beiden Buchdeckel wurden für inhaltliche Erklärungen, sowie die kurze Vorstellungen der Diskussionsteilnehmer verwandt.

Buchdaten:

  • Titel: „Warum es nicht egal ist, wie wir schreiben“
  • Autor: Kathrin Kunkel-Razum u.a.
  • Umfang: 64 Seiten
  • Verlag: Dudenverlag Berlin; 2018
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-411-74296-7
  • Größe: 10,6 x 19,0 x 0,6 cm

Ergänzend dazu sei hier noch auf die mediale Vorstellung des Buches auf Youtube verwiesen

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