Regeln der Vielfalt – Rezension zu „Richtig gendern“ von Gabriele Diewald und Anja Steinhauer

By | 16. März 2019

"Richtig gendern" - Anja Steinhauer, Gabriele Diewald„Sprache ist vom Denken geprägt und Sprache prägt das Denken.“ (S.7)

Zum Inhalt:

Die Überschrift in Kombination mit dem Nimbus des Verlagsbegriffes „Duden“ kann bei Leser*innen durchwegs suggestiv das Bild eines klar ausformulierten Regelwerkes für das Gendern aufkommen lassen, welches Verfasser*innen unterschiedlichster Texte davon entbinden würde, in dieser Thematik kreative Lösungen zu finden ;-).

Nicht jede/r empfindet sich hierbei sicher im Sattel der sprachlichen Ausdrucksweise sitzend, was als mehr oder weniger unangenehm empfunden wird. Eben diesen vielerorts „blinden Fleck“ in der Sprachwahrnehmung zu erhellen, haben sich die beiden Autorinnen angeschickt. Dabei stellen sie von Beginn an ihre Intention ebenso eloquent wie bildhaft eingängig klar: „Einen Text gendern heißt, die mentalen Konzepte der relevanten Genderrollen sprachlich abzubilden, d.h., die Inhalte deutlich konturiert und farbig darzustellen. Dieses Buch gibt einen Überblick über die Vielzahl an Farben und Malwerkzeugen, durch deren Gebrauch Sie aus den Sachverhalten und Konzepten, die Sie darstellen wollen, ein angemessenes, treffendes und ästhetisch ansprechendes sprachliches Bild erstellen können.“ (S.13)

Neben einer Positionierung resp. Definition, was »gendern« eigentlich ist und was es heißt »richtig« zu gendern, führen Gabriele Diewald und Anja Steinhauer die Leser*innen über die sprachlichen Grundlagen hin zum Feld des Genderns auf Wortebene. Weiter geht die Sprachreise zur Grundlage des richtigen Genderns in Satz und Texte. In jedem Abschnitt werden Beispiele an die Hand gegeben, besprochen, sowie deren Variationen, Möglichkeiten der sprachlichen Um- und Ausgestaltung erklärt.

Beispielanalysen von realen Texten aus dem öffentlichen Bereich, dem fachsprachlichen und wissenschaftlichen Kontext, bis hin zu Texten normativen Charakters, ebenso wie situativ gebundenen Hinweis-/Anweisungstexten runden zusammen mit einem historischem Abriss  zum Thema gendergerechte Sprache den Band ab. Ausgesprochen hilfreich sind auch das Literaturverzeichnis, sowie das Register zum Auffinden spezieller Lösungsansätze im Schreiballtag.

Quer durch den gesamten Text zieht sich die Aussage der beiden Autorinnen, „Auch hier gibt es natürlich kein Patentrezept, häufig gibt es auch mehrere korrekte und angemessene Lösungen.“ (S.95)

Fazit:

Gabriele Diewald und Anja Steinhauer gelingt aus meiner Sicht in diesem Buch in mehrfacher Hinsicht ein beachtlicher Spagat: Zum einen jener klar Stellung zu beziehen, wenn es darum geht die Gewichtung von Sprache, deren Gebrauch und sich daraus ergebende gesellschaftliche Relevanz zu unterstreichen, jedoch ohne dabei schulmeisterlich den Finger zu erheben. Zum anderen stets den Hinweis darauf gebend, dass Sprache eines Regelwerkes Bedarf um ihrem Zweck der Verständigung, der Kommunikation gerecht zu werden, dass jedoch die Dynamik, die Lebendigkeit eben dieser Sprache sich stets einem zu engen Korsett an Rigidität entziehen wird.

Dies ist zum einen Fluch, zum anderen Segen: Fluch für all jene die einem äußeren Regelwerk die alleinige Verantwortung für Verständlichkeit in einer Absolutheit übertragen wollen, die es nicht geben kann. Hingegen Segen für alle jene, die Wert auf eine an der Vitalität von Sprache geschulten Ästhetik legen wollen. Einer Ästhetik die unsere Sprachkreativität und situative Flexibilität in Ausdruck und verbaler Distinguiertheit fordert.

Zum Buch:

Das Erste was bei dem schmalen Band aus dem Duden-Verlag ins Auge sticht, ist seine ausgesprochen pragmatisch solide Gestaltung als Arbeitsbuch. Die imprägnierten Buchdeckel sind fest, jedoch nicht zu starr, die Verleimung sowohl des Buchkorpus, wie auch der Buchdeckel mit selbigem ist sehr solide ausgeführt und wird der Intention des Nachschlagewerkes durchaus gerecht. Ausgezeichnet gelungen ist auch die didaktische Gestaltung des Textes in seiner typografisch ansprechenden Optik.

Seien es nun die durchgehenden Schriftstile, die klar abgesetzten Merk- und Infoteile, wie auch die grobtextuelle Strukturierung, alles wurde mit dem Fokus auf die Leserschaft bedacht, sowie dem expliziten Ziel Klarheit ohne Starrheit zu gewähren.

Der Druck ist ausgesprochen sauber durchgeführt, der Bedruckstoff mit bedacht gewählt und in seiner Präsentation griffig und haptisch angenehm. Somit ein handwerklich in jedweder Hinsicht gelungenes Buch, welches sein Geld allemal wert ist.

Buchdaten:

  • Titel: „Richtig Gendern“
  • Autorinnen: Gabriele Diewald, Anja Steinhauer
  • Umfang: 128 Seiten
  • Verlag: Duden-Verlag, Berlin; 2017
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-411-74357-5
  • Größe: 21,1 x 14,9 x 1,0 cm

P.S.: Ein Hinweis auf eine hilfreiche Seite zu diesem Thema sei noch gestattet: geschicktgendern.de .

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