Versunkenes – Rezension zu „Fräulein Schmidt und die Suche nach Atlantis“ von Wilko Müller jr.

By | 15. November 2019

Frl. Schmidt und die Suche nach Atlantis - Wilko Müller jr.„Man vermied heutzutage die Sterblichen zu tief in die Geschäfte der Götter zu verstricken.“ (S.16)

Zum Inhalt:

Nahtlos knüpft der Erzählstrang des zweiten Kurzromanbandes aus der Serie an die Geschehnisse des Beinaheweltunterganges an, welcher von seiten der Maya-Götter nicht unerheblich beeinflusst wurde. Was der Antiquar Wichowski neben seiner rein körperlichen Veränderung durch die Ereignisse dabei feststellen muss: Dass sich nun bei weitem nicht alles in Wohlgefallen auflöst. „Vom Weltuntergang hatte die Welt nichts mitbekommen“ (S.22) Kein Schaukelstuhl, keine gemütlichen Leseabende, kein Heldentum auf dem Sofa. Hatte man die bestimmende Gottheit dieses Baktuns an seiner Seite, war Schluss mit ruhig.

„Alles hatte Folgen.“ (S.78) – auch so eine jener Binsenweisheiten, auf deren Bewahrheitung Wichowski nur allzu gern verzichtet hätte. Aber der Widersacher Ixchels – die auch als Frl. Lisa Schmidt bekannt war – verstand sich bereits vor seiner Verbannung sehr gut auf das Netzwerken. So zieht er Fäden, macht Versprechungen und gelangt erneut mehr und mehr zu Macht und Einfluss. Nicht nur die Leichen von Göttern säumen dabei seinen Weg.

Um all dem noch eine irisierendere Facette des Wahnsinns draufzusetzen, beginnen Frl. Schmidt und Wichowski eine leise Ahnung dessen zu bekommen, welch äonenaltes Grauen Kukulkan in seinem Irrsinn zu entfesseln plant: Älter als die Menschen, älter als die meisten Götter, selbst älter als die Erde selbst, kumulierend in dem Namen Cthulhu. Erneut muss der Antiquar feststellen, wie durchlässig doch die Grenze zwischen der in Büchern überlieferten scheinbaren Fiktion und der solide geglaubten Realität ist…

Fazit:

Beieindruckend fand ich auch an dieser Geschichte wieder, wie intensiv dicht Wilko Müller jr. es versteht auf wenigen Seiten Atmosphäre zu schaffen. Seine HeldInnen baut er weiter stimmig aus, ergänzt hier und da, bleibt aber immer dem Rahmen der Erzählung treu. Die Entwicklung des Charakters von Wichowski als wegweisend für den weiteren Verlauf der Geschichte kann man mit Fug und Recht als äußerst gelungenen erzähltechnischen Kunstgriff titulieren. Eine würdige Fortsetzung, die Lust auf mehr macht.

Zum Buch:

Obwohl ein anderer Verlag hier für den Band firmiert, kann handwerklich und drucktechnisch auf die Beschreibung des ersten Bandes verwiesen werden.

Buchdaten:

  • Titel: „Fräulein Schmidt und die Suche nach Atlantis“ (Zweiter Band der Fräulein Schmidt – Kurzromanserie)
  • Autor: Wilko Müller jr.
  • Umfang: 172 Seiten
  • Verlag: Projekte-Verlag, Cornelius GmbH; Auflage 1, 2012
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-86237-873-9
  • Größe: 17,0 x 11,0 x 1,3 cm

 

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