Vom Niedergang einer Zivilisation – Rezension von Wolfgang Kucher zu „Die Telesalt-Mission“ von Alexander Kröger

By | 19. Januar 2019

Die Telesaltmission von Alexander Kröger„Im Grunde zwingt die Menschen niemand so zu sein wie sie sind.“ (S.160)

Zum Inhalt:

Sam Martin ist einer der Raumfahrer, die vor kurzem von einer Expedition zur Erde zurückkamen. Von einer Mission, die alle Teilnehmer mehr als nur physisch mitgenommen hat. Als er vom Universum-Verlag gebeten wird seine Erlebnisse zusammen mit seinen Kollegen in einer Publikation der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sieht er sich der Aufgabe gegenüber die Erlebnisse erneut zu überdenken, zu sortieren und teilweise zu werten.

Die Beweg- und Hintergründe der Mission, die Charaktere seiner Kollegen finden so im ersten Teil der Erzählung ihren Niederschlag. Eine Art Sozialbild, wie Kröger es in seinen Texten nicht selten zeichnet, wird vor dem Leser ausgebreitet, der so eintauchen kann in die Denkweise und das Lebensumfeld dieser Zukunft. Die erste Euphorie der Mannschaft, als sie einen vor Leben strotzenden Planeten ausmachen ist unschwer vorstellbar, zumal die Suche nach habitablen Orten im All jener nach der Nadel im Heuhafen gleicht.

Man entschließt sich, den Himmelkörper genauer in Augenschein zu nehmen. Schnell stellt sich heraus, dass die unzähmbare Lebenskraft der tropischen Vegetation und die durchaus nicht ungefährliche Fauna den Entdeckern schier Unmenschliches abverlangt. Jedes Quäntchen Erkenntnis will mit viel Schweiß und Ausdauer dem Urwald abgerungen werden. Beinahe wie eine Bombe schlägt die Entdeckung einer massiven Ansammlung von Metall unter dem wuchernden Pflanzenteppich ein, stellt dieser sich doch als ein Raumschiff der Erde dar, als eine hier vor Jahrhunderten gestrandete Expedition…

Martin und seinen Begleitern gelingt es mit Hilfe der in der Telesalt – so der Name des entdeckten Raumers – gefundenen Aufzeichnungen das Schicksal der Expeditionsteilnehmer zu rekonstruieren. Der Kontakt zu den Nachfahren jener Menschen, macht die Erkenntnisse noch um ein vielfaches bedrückender, als wären es rein chronologische Geschichtseintragungen. So ist der zweite Teil des Textes der eindringlichen und sehr persönlichen Schilderung der Chronistin der Telesalt-Mission gewidmet. Der Niedergang einer ursprünglich vor Pioniergeist und Elan sprühenden zivilisatorischen Kolonie, geht den Neuankömmlingen sichtlich nahe, zeigt sie doch mit Nachdruck auf, welch dünnes Eis die Kultur und Zivilisation doch darstellen.

Fazit:

Alexander Kröger macht in seiner Erzählung zur Telesaltmission den Versuch einer Schilderung, welcher potentiellen Sozialentropie sich eine menschliche Kolonie auf einem fernen Planeten stellen muss – und wie eine Scheitern aussehen könnte. Der Aufbau der Geschichte, wenn man so will die Erzählmechanik, gelangt in diesem Roman, verglichen mit den anderen der Serie, zu einer sehr hohen Meisterschaft. Das klare Bekenntnis Krögers zur Wertigkeit von Bildung und deren Einfluss auf die Entwicklung resp. den Niedergang einer Gesellschaft tritt in diesem Text erneut eklatant in der Vordergrund.

Aus meiner Sicht stellt „Die Telesaltmission“ eine der besten Erzählungen Kröger dar, ob nun inhaltlich oder auch erzähltechnisch.

Zum Buch:

Nachdem es sich bei Band 16 der Alexander-Kröger-Werkausgabe (AKW) um ein in Verarbeitung wie Aufmachung identes Buch, abgesehen vom Coverbild, wie bei Band 20 „Chimären“ handelt, sei hier auf ebendiesen für die Buchbeschreibung verwiesen.

Buchdaten:

  • Titel: „Die Telesalt-Mission“
  • Autor: Alexander Kröger
  • Umfang: 236 Seiten
  • Verlag: Edition SolarX; 1. überarbeitete Auflage 2018
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3-8118-2031-1
  • ISBN-13: 978-3-945713-46-4
  • Größe: 19,5 x 13,8 x 1,6 cm

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