Vom Gewicht der Worte – Rezension zu „Buchland“ – Markus Walther

By | 12. Mai 2018

Vom Gewicht der Worte – Rezension zu "Buchland" – Markus Walther„Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität sind nirgendwo dünner als in der Nähe von Büchern. Manchmal verwischen diese Grenzen ganz.“ (S.39)

Zum Inhalt:

Herr Plana, seineszeichens Auktoral, besitzt einen Buchladen – vielmehr ein Antiquariat, oder doch beides? Oder evtl. viel mehr? Und ebenso wie Herr Plana, hat auch dieser Laden schon weitaus bessere Zeiten gesehen. Das muss sich auch die arbeitslose Buchhändlerin Beatrice eingestehen, wobei sie nichts desto trotz den Sprung ins kalte Wasser wagt und das Jobangebot des Buchhändlers annimmt, nicht nur um wieder einer Arbeit die sie liebt nachgehen zu können, sondern auch um ihrem persönlichen Fegefeuer zu Hause zu entgehen.

Dieses zu Hause besteht  nach dem Tod der gemeinsamen Tochter nur noch aus ihr und ihrem alkoholsüchtigen Mann, der den diesen Verlust nie verwunden hat. Die mehr als nur merkwürdigen Herausforderungen im Laden von Herrn Plana vereinnahmen Beatrice zusehends. Ehe sie sich versieht, erlebt sie sich als Bestandteil einer weitaus größeren Geschichte, deren Kreise auch ihren Mann erreichen. Die Ausläufer der Entscheidungen, welche Beatrice im Buchland trifft, fordern einen Preis ein, dessen sie sich erst allmählich bewusst wird und aus dem anfangs prickelnden Spiel im Reich des gedruckten Wortes wird harte Realität.

Kein Geringerer als Schnitter Tod, der Buchalter des Lebens, stellt Beatrice – und nicht nur sie – an Scheidewege, an denen sich nicht nur das eigene Schicksal entscheiden, sondern die Last weit größerer Weichenstellungen die „Spielern“ über die Maßen fordern…

Fazit:

Markus Walther gelingt mit dem ersten Band der Buchland-Erzählung ein in sich stimmiger Auftakt, sowie eine durchaus interessante Storyline. Versierte Leser werden die ein oder andere Reminiszenz erkennen, so z.B. an Walter Moers „Labyrinth der träumenden Bücher“, was dem Lesespaß jedoch keinen Abbruch tut. Der Erzählfaden ist leider streckenweise wenig überraschend und teils wünscht man sich etwas mehr Tiefe der Akteure, da wäre evtl. mehr drinnen; bleibt abzuwarten, wie sich die Folgebände lesen…

Neben den vielen Querverweisen auf Literatur aus allen möglichen Genres, Wissenswertem aus Schriftstellerei, Buchdruck und Bibliophilie, beieindruckt der teils philosophische Tiefgang wenn es um existenzielle Fragen wie den Umgang mit der (scheinbaren) Endgültigkeit des Todes, dem Konzept des eigenen Lebens im Hier und Jetzt, sowie der Frage nach „guter“ resp. „wertvoller“ Literatur geht, denn: „Jede Geschichte ist es wert erzählt zu werden. Doch man sollte sich dafür Zeit nehmen. Es kommt nicht darauf an, möglichst viel in die Welt zu rufen. Es kommt darauf an die Welt mit dem Gesagten zu bereichern. Schreiben ist Handwerk. Man kann es erlernen. Kreativität hingegen ist Kunst. Sie kommt aus dem Geist. Je mehr ein Autor von sich in ein Buch investiert, desto geistreicher wird sein Werk. Mit Geist und Seele erwachen Bücher zum Leben. Verstand und Gefühl Hand in Hand ermöglichen erst die wahre Kunst.“ (S.124)

Zum Buch:

Aus handwerklicher Sicht liefert der Acabus-Verlag mit dem über 230 Seiten starken Band ein sehr hübsch gestaltetes Buch, das sich in Punkto Verleimung, sauberem Satz und runder Typografie keine Blöße gibt. Es ist gelungen ein schönes Erscheinungsbild mit angenehmer Haptik zu verbinden. Für die Umschlaggestaltung firmiert Petra Rudolf. Die gewählte Schriftform des letzten Kapitels „Die Notizen des Auktorals“ ist ebenso wie die Kapitelüberschriften gewagt, fügt sich aber harmonisch in das Gesamtbild des Werkes ein.

Buchdaten:

  • Titel: „Buchland“
  • Autor: Markus Walther
  • Umfang: 239 Seiten
  • Verlag: Acabus-Verlag; Auflage: 1 (März 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3-86282-186-0
  • Größe: 20,4 x 13,8 x 1,8 cm

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